Wing Tsun und Philosophie | Spiritualität

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24
Feb

Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Yin und Yang

Lieber Leser, lieber Wing Tsun Fan, im Wing Tsun sind viele philosophische Gedanken der klassischen chinesischen Philosophie und des Buddhismus enthalten. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

1. BUDDHISMUS
Aus dem Buddhismus kommt die aufrechte Grundposition im Wing Tsun. Sie stellt den Menschen als Wesen zwischen Himmel und Erde dar. Mit den Füßen verbindet er sich mit der Erde, mit dem Scheitel berührt er den Himmel. Auch die Hand- und Armhaltung entleiht das Wing Tsun aus dem Buddhismus. Die Wu-Sao Hand befindet sich in Gebetshandposition (im Yoga Pranamasana). Die Man-Sao ist jedoch als „Suchende Hand“ weiter nach vorne verschoben. Dem selben Prinzip folgend, wird der Kopf im Wing Tsun oben und erhaben gehalten. Er wird nicht abgesenkt, oder zwischen den Schultern versteckt. Auch wird die Wirbelsäule möglichst senkrecht gehalten .

2. KONFUZIANISMUS
Der Konfuzianismus steht für Rituale, Tradition und lebenslanges Lernen. Die „rechte Ordnung“ bildete den wichtigsten Grundwert im Konfuzius. Seine teilweise nüchterne Lehre, die auf der Einhaltung von Ahnenverehrung und der allgemeinen Achtung vor den Mitmenschen beruht, erfährt in seinen Beschreibungen des „Edlen“ eine Erhöhung. Der „Edle“ ist ein Mensch allumfassender Moral, dessen höchstes Ziel das Finden von Harmonie und Mitte, sowie Gleichmut und Gleichgewicht ist.

KONFUZIANISMUS IM WING TSUN:
Folgende Schlagworte tauchen in den konfuzianischen Schriften immer wieder auf. Zu ihnen finden sich direkte Bewegungsbeispiele im Wing Tsun.
Harmonie = das gleichzeitige Umsetzen von Yin und Yang | Abwehr und Angriff
Die Mitte = Zentrallinie und Rotation um die vertikale Mittelachse
Der Gleichmut = die vier (zwei) Prinzipien und die vier Kraftgesetze als neutrale und unvoreingenommene Basis aller Wing Tsun Bewegungen.
Das Gleichgewicht = als allgemeines Grundprinzip in den Bewegungskünsten sowie im Wing Tsun beispielsweise die gleichzeitige Ausführung von Verteidigung und Angriff. Der grundsätzliche Einfluss der Philosophie auf die chinesischen Kampfkünste ist augenfällig. So heißt es beispielsweise an einer Stelle des „Inneren Klassikers“: „Die Weisen behandeln nicht diejenigen, die bereits erkrankt sind, sondern diejenigen , die noch nicht erkrankt sind. Sie ordnen (ihren Staat) nicht erst während des Aufruhrs, sondern bereits bevor ein Aufruhr entstanden ist“. Diese Aussage lässt sich auch auf die Theorie der integrierten Körperhaltung und Voraktivierung im Wing Tsun übertragen. Die selben ordnenden Prinzipien werden auch im Yoga immer wieder sichtbar.

3. TAOISMUS
Der Taoismus ist die wichtigste philosophische Quelle für das Wing Tsun. Der Konfuzianische Wert des Gleichmuts bekommt hier eine ganz eigene Dimension. Ist der Gleichmut bei Konfuzius noch ein Attribut des „Edlen“, so beschreibt der Begriff hier das sich Einfügen und Anpassen an den
Lauf der Natur. Der Taoist agiert nicht aktiv oder bewusst gleichmütig. Er reagiert „natürlich“ auf alle Einflüsse, die ihm begegnen. Er passt sich der jeweiligen Situation an und reagiert aus dem Moment auf der Basis natürlicher Gesetzmäßigkeiten. Er soll sich verhalten wie Wasser. Er soll sich als „Tropfen“ wohl fühlen, als reißender Fluß und als „Meer“. So kann er nie verlieren und gewinnt immer. Der Taoismus drückt sich im Wing Tsun insbesondere in der andauernden Vorwärtsspannung und dem „elastischen“ Nachgeben in die Verteidigungspositionen hinein aus. Achtung: Es handelt sich weder um einen starren Vorwärtsdruck, noch um ein sehr weiches Vorgehen! In der Wing Tsun Vorwärtsspannung ist die Möglichkeit des Nachgebens, oder besser der Verformbarkeit in die Verteidigungspositionen hinein, immer vorhanden. Diese spezielle Form des Nachgebens ist zentrales Moment des Wing Tsun.

4. YIN UND YANG
Das Doppelfischzeichen aus einem schwarzen und einem weißen Fisch, welche sich „umschwimmen“ stellt einen Zustand von Balance dar. Alle Dinge sind in diesen Gleichgewichtskreislauf eingeschlossen. Im Wing Tsun beziehen sich Yin und Yang (für diese zwei Kräftepole stehen die beiden Fische) insbesondere auf die Gleichzeitigkeit von Abwehr und Angriff. Yin ist Abwehr, aufnehmen, weiblich; Yang ist Angriff, vorwärts, männlich. Führe ich beides zugleich aus, so befinde ich mich im Gleichgewicht. Das weiße Auge im schwarzen Fisch und das schwarze Auge im weißen Fisch bedeuten im Wing Tsun die permanente Möglichkeit, durch den flexiblen Vorwärtsdruck, die Abwehr zum Angriff und den Angriff zur Abwehr werden zu lassen.

Besten Dank für euer Interesse, Oliver Groß und das WT&YOGA Team

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