Kampfkunst und Yoga

Kampfkunst und Yoga
26
Mrz

Geschichtlicher Hintergrund
Das, was wir heute als Kampfkunst bezeichnen, hat einen seiner Ursprünge in den Ideen und Gedanken eines indischen Mönchs. Es war um das Jahr 500 n.Chr., als der Buddhismus eine Blüte seiner Popularität in China erreichte.

Um 495 n.Chr. wurde der buddhistische Shaolin Tempel am Shao Shi Berg, Deng Feng Xian, in der Henan Provinz auf Anordnung des Kaisers Wei errichtet. Der erste buddhistisch Mönch der dem Shaolin Kloster vorgestanden haben soll, war Ba Tuo. Er war sehr beliebt beim Kaiser und ein positiver, dicker, lebensfroher Mönch. Er ist bis heute bekannt als „Happy Buddha“.
Sein Nachfolger war der für uns wichtige Bodhidharma, oder Da Mo. Er kam um das Jahr 527 n.Chr. ins Shaolin Kloster, wo er im Jahr 536 n.Chr. starb (verschieden Quellen geben unterschiedliche Daten an).
Bodhidharma war Prinz eines kleineren südindischen Staats und vertrat den Mahayana Buddhismus. Der Legende nach war er ein Bodhisatva; Ein erleuchteter, der den Eingang ins Nirvana zurückgewiesen hatte, um anderen Menschen auf ihrem Weg zur Erleuchtung zu helfen. Sein Geburtsjahr wird auf 440 n.Chr. geschätzt. Zu dieser Zeit galt Indien für die Chinesen als spirituelles Zentrum – war es doch der Ursprungsort des Buddhismus. Bodhidharma stellte als Lehrer der Mönche fest, dass diese zu schwächlich waren, um seinem strengen Weg der sitzenden Meditation lange genug folgen zu können. Er entwickelte daher in neunjähriger Zurückgezogenheit, zwei Methoden zur Stärkung der Mönche. Das Yi Jin Jing (Muskel-Sehnen Qigong) und das Xi Sui Jing (Knochenmarks-Hirn-Reinigungs Qigong). Diese Bewegungssysteme gelten als Grundlage für die späteren Shaolin Kampfkünste. Auch, wenn Bodhidarma diese nur als Begleitsysteme zur Meditation auf dem Weg zur Erleuchtung entwickelt hatte.

Verwandtschaft von Yoga und Qigong
Wie zu erwarten, weisen die Konzepte von Yoga und Qigong bis heute Ähnlichkeiten auf. Die Transformation von niederer Energie (u.a. die Reproduktionsenergie) in höhere Lebensenergie, liegt beiden Konzepten zugrunde. Das Sammeln von Energie durch Atemübungen, findet sich in beiden Systemen. Wichtige Energiepunkte ähneln sich ebenso, wie beispielsweise das Muladhara Chakra (Root-Chakra) im Yoga und der Punkt Huayin in der chinesischen Tradition.

Im Folgenden mischen sich auf der chinesischen Seite zu den buddhistischen Ideen auch taoistische Konzepte. Diese sind in den heutigen chinesischen Bewegungskünsten so stark verwoben, dass eine Trennung fast unmöglich erscheint und den Rahmen dieser kurzen Einführung sprengen würde. Das Konzept der Qi-Energie ist beispielsweise ein taoistisches.

Das Konzept des Qi in den chinesischen Bewegungskünsten ist im Yoga dem Konzept des Prana verwandt. Beide Begriffe bedeuten „Atem und Lebensenergie“. In beiden Systemen kann Qi bzw. Prana gesammelt werden durch Atem- und Körperübungen. In beiden Fällen wird die Energie im „Becken- und Bauchraum“ gesammelt und muss von dort nach oben geleitet und transformiert werden. Neben dem Aspekt des „Energie -sammelns“, geht es in beiden Künsten auch darum, die in uns allen schlummernde Energie zu entfachen. Dies wird im Yoga mit Kundalini Shakti beschrieben. Kundalini Shaktie bedeutet „eingerollte Energie“, welche im Bereich des Steißbeins angeordnet wird und erst nach ihrer Aktivierung durch bestimmte Übungen ihre Kraft entfalten kann.

Das chinesische Konzept des Dantien, oder der Dantiens beschreibt „Energiesammelbecken“ die an der vertikalen Körperachste angeordnet sind. In den chinesischen Künsten werden drei dieser Punkte genannt. Das untere Dantien liegt zwei Finger breit unterhalb des Bauchnabels. Das mittlere Dantien in der Herzgegend und das obere Dantien im Bereich des dritten Auges, etwas oberhalb sowie zwischen den Augenbrauen.
Im Yoga finden wir an vergleichbarer Stelle die sieben Chakren. Die drei chinesischen Dantiens würden folgenden Chakren entsprechen:

Das Stirn-Chakra (Ajna-Chakra) entspricht dem oberem Dantien (Tai Yang-Punkt).
Das Herz-Chakra (Anahata-Chakra) entspricht dem mittleren Dantien (Tan Zhong-Punkt).
Das Nabel-Chakra (Manipura-Chakra) entspricht dem unteren Dantien (Qi Hai-Punkt).

Für zwei weitere Chakren lassen sich in der chinesischen Tradition Entsprechungen finden:

Das Scheitel- oder Kronen-Chakra (Sahasrara-Chakra) entspricht dem Baihui-Punkt.
Das Steissbein oder Wurzel-Chakra (Muladhara-Chakra) entspricht dem Huiyin-Punkt.

Auch die Chakren sind als Energiezentren auf einer vertikalen Mittellinie im Rumpf angeordnet. Physisch lassen sie sich als Nervengeflechte und Nervenaustrittspunkte u.a. an der Wirbelsäule verstehen. In der Yoga Tradition verlaufen sie entlang einer geistigen Wirbelsäule, der Sushuma. Die Energie wird von unten in die jeweils darüber liegenden Chakren geleitet. Die Energie nimmt dabei jeweils neue Qualitäten an, die sich wiederum in den unterschiedlichen Lotusblüten die symbolisch für die Chakren stehen, ausdrücken.

Dieses Konzept der Energieleitung findet sich auch angedeutet beispielsweise im sog. kleinen Kreislauf des Qigong. Hier wird die Energie in Gedanken an der Vorderseite des Rumpfes herunter geleitet und an der Rückseite des Körpers wieder hinauf.

In der chinesischen Tradition könnte das Gouverneursgefäß der Sushuma entsprechen. Beide beginnen am Perineum und verlaufen von unten nachoben relativ paralell zur Wirbelsäule.

Zum Schluss dieser sehr kurzen Einführung kann festgestellt werden, dass eine Verwandtschaft der Konzepte wahrscheinlich und logisch nachvollziehbar ist.

Bezug zum Wing Tsun
Viele Kampfkünste und so auch das Wing Tsun, gehen auf die Shaolin-Tradition zurück. Die Entwicklerin des Wing Tsun, die Nonne Ng-Mui, wurde zu ihrer Lebzeit zu einer der 5 Älteren (Äbtissin / Meisterin) im Shaolin-Kloster gezählt.
Die Aufrechte Haltung, die Handposition (Man-Wu Position) oder der dritte Satz der ersten Form / Sam-Pai-Fat in der Siu-Nim-Tau sind noch heute sichtbare Hinweise auf buddhistische Ideen die Im Wing Tsun in Bewegung umgesetzt wurden.

Schlussfolgerung
Für den Autor fühlt sich die Kombination von Yoga und Kampfkunst / im Speziellen dem sehr klar strukturierten Wing Tsun, als besonders sinnvoll an.

Gerade die grundlegend eher „unsportlich“ strukturierte Kampfkunst Wing Tsun, mit ihrem minimalistischen Bewegungsdesign, fordert die kräftigende und dehnende Funktion des Yoga. Die Entsprechung der inneren Ideen, ist ein weiterer großer Vorteil und kommt dem Aspekt der lebenslangen Praxis und der Gesundheitspflege entgegen.

Zuletzt muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass der Begriff der Kampfkunst nur dann sinnvoll im Kontrast zum Kampfsport verwendet werden kann, wenn die philosophischen, religiösen und energetischen Konzepte einen entsprechenden Raum in der Praxis einnehmen. Geht es nur um Aspekte wie die Selbstverteidigung oder den sportlichen Wettkampf, so ist von Kampfsport zu sprechen.

Erläuterung zu den Begriffen Buddha, Boddhisattva, Bodhidharma

Buddha, „Der Erwachte“

Ehrenname des Begünders des Buddhismus Siddhartha Gautama (geboren 563 v.Chr. in Lumbini, Nepal; gestorben 483 v.Chr.)
Siddhartha Gautama soll die Erleuchtung meditierend in einer Vollmondnacht im Alter von 35 Jahren erlangt haben.

Bodhisattva
Als Bodhisattva bezeichnet man den nach Erleuchtung strebende Buddhisten. Er strebt „Buddhaschaft“ oder unterstützt andere suchende auf ihrem Weg zur Erleuchtung.

Bodhidharma
Bodhidharma ist nun der Prinz der um das Jahr 480 n.Chr. Indien verließ, um später im Shaolin Kloster die Grundlage für die Kampfkünste zu legen. Weiterhin ist er der Begründer des Chan- bzw. jap., des Zen-Buddhismus, welcher großen Einfluss über die Grenzen Chinas hinaus hat. In der indischen Tradition war er der 29. Vertreter dieser Praxis, in der die sitzende Meditation im Vordergrund steht. Es war jedoch seine spezielle Form, die den modernen Zen-Buddhismus begründete. Zu seiner Zeit im Shaolin Kloster standen die physische Praxis und die Meditation gleichwertig nebeneinander, da die inneren Ziele mit einer schwachen und plumpen Physis nicht erreichbar schienen. Ebenso war die physische Praxis selbst Teil der inneren Arbeit.

Kommentare

  • wt_yoga
    21. April 2015

    Danke für dein Interesse, wir haben ja nun via Mail zueinander gefunden 🙂

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